6. Juni 2008

Dolce Vita in der ewigen Stadt

Die schönsten Tipps für ein Wochenende in Rom

Text: Gesa Noormann

Kaum von der Flughafenautobahn runter, fängt es an: Hupen, zerbeulte Fiats überholen von rechts und links, und rote Ampeln scheinen nur nach persönlichem Gutdünken respektiert zu werden – oder eben nicht. Entlang des Tibers durchqueren wir die Stadt, wobei man so schnell gar nicht gucken kann, wie die Jahrtausend-Sehenswürdigkeiten an einem vorbei ziehen. Wir sind hin- und her gerissen zwischen Verwirrung und Entzücken ob dieses chaotischen Treibens: ein Hoch auf die moderne Technik, denn unser Tom Tom scheint den Weg tatsächlich zu kennen.

Unser erstes Ziel ist das Hotel Lord Byron, das hoch über der Villa Borghese in den Hügeln des Villenviertels Parioli liegt. Gefunden haben wir es über die Buchungsplattform Escapio.com, die eine sehr gute Auswahl für besondere, handverlesene Hotels bietet. Angenehm ist es hier oben, der Lärm der Stadt scheint weit weg zu sein. Dieses wunderschöne Hotel ist konsequent im Art Déco-Stil eingerichtet mit ausgesuchten antiken Möbeln, Spiegel und Accessoires, die den Glamour der zwanziger Jahre ausstrahlen. Man wähnt sich fast im Orient Express, wenn livrierte Kellner beim geringsten Frösteln im Frühstücksraum entschuldigend fragen, ob die Heizung höher gedreht werden soll. Wohlig fühlt man sich in die Zeit versetzt, als Reisen noch der Luxus weniger Wohlbetuchter war: ein wunderbares Gefühl.

Nur wenige Schritte sind es von hier zur Galleria Nazionale d’Arte Moderna, gleich neben der berühmten Kunsthochschule Roms. Das klassizistische Gebäude aus dem 19.Jahrhundert ist eines der wenigen Museen der Stadt, die sich primär der modernen Kunst widmen. Nach 15 Minuten Spaziergang durch die Villa Borghese steht man direkt auf der Piazza del Popolo, einem der schönsten Plätze Roms. Die heutige neoklassizistische Ausgestaltung verdankt er dem Architekten Giuseppe Valadier, der ihn von 1818 bis 1822 entwarf. Krimileser dürften sich mit Schaudern an die grausige Szene aus den Illuminati von Dan Brown erinnern – in der Chigi-Kapelle der Kirche Santa Maria del Popolo wurde nämlich der erste entführte Kardinal mit Erde erstickt aufgefunden.

Angenehmer ist ein Besuch in einer der beiden Bars und Konditoreien auf der Piazza. Mein persönlicher Favorit ist Canova mit der besten Pinientorte der Stadt. Am frühen Abend kann man hier der italienischen Tradition des Aperitifs an der Bar frönen. Uns wurden zum Prosecco mit Aperol kleine Tellerchen mit wahnsinnig leckeren kleinen Häppchen serviert, so dass man getrost bis zum in Rom nie vor 21 Uhr eingenommenen Abendessens aushält.

Ein Besuch Roms im Frühling birgt die Chance, die ganze Stadt blühen zu sehen und bereits milde, fast schon sommerliche Temperaturen zu genießen. Bevor die träge Hitze sich ab Juli über die Stadt legt, ist jetzt das richtige Wetter für ausgiebige Spaziergänge und Besichtungen. Von der Piazza del Popolo aus erschließt sich praktisch das ganze historische Zentrum Roms. Es lässt sich gut zu Fuss erlaufen, man sollte aber nicht wie ich à la Sex in the City High Heels tragen. Leidensgenossinnen können sich in der Via del Corso dann gleich ein paar Leinen-Tennisschuhe in den neuesten Sommerfarben oder goldene Ballerinas kaufen. Oder so richtig italienische Meisterwerke von Ferragamo oder meinem Lieblingslabel Pollini. Sonnenbrillen sollte man auch nur in Italien kaufen, denn hier würde man lieber einen verbeulten alten Fiat fahren als sich mit dem Modell vom letzten Jahr auf die Straße zu wagen – mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit kommt die neue Brille von der Via Condotti (wenn überhaupt) erst nächstes Jahr in die deutschen Läden. Nach dem Einkaufsbummel gönnt man sich ein Eis bei Giolitti – mein Favorit ist Marrons glacés, nicht schlecht sind auch Zabaioine oder die genialen Fruchtsorten, allen voran visciola (Sauerkirsche).

Für alle, die Rom wie die Römer erleben möchte, bietet sich ein Bed & Breakfast an. Wir haben uns für das Daphne Inn direkt hinter der Via Veneto entschieden, für das Wohnungen in einem historischen Palazzo zu komfortablen Hotelzimmern umgebaut wurden. Die amerikanische Inhaberin Elyssa Bernhard ist mit einem Römer verheiratet und kennt die Stadt wie ihre Westentasche: Sie hat jede Menge Insider-Tipps und sogar die Öffnungszeiten der Museen parat.

Für abends hat uns Elyssa einen Tisch bei Gino reserviert. Ein Besuch in dieser versteckt liegenden kleinen Trattoria ist ein authentisch römisches Erlebnis. Extrem leckeres Essen, und vor allem günstig: Mit Wein, Pasta und Salat ist man mit 30 Euro dabei – für römische Verhältnisse quasi geschenkt. Toll für den schnellen Lunch in style ist Gina’s Ristorante. Nur ein paar Schritte von der Piazza di Spagna erwarten uns schickes Design, leckere Salate, Sandwiches und üppige Desserts zu sehr vertretbaren Preisen.

Sonntag morgen ist der Flohmarkt an der Porta Portese in Trastevere der place to be: hier gibt es alles, von der CD-Raubkopie über billige Fummel bis zur Pseudo-Antiquität. Sämtliche Migranten versammeln sich hier und verkaufen die unvermeidlichen Gucci-Prada-Fakes, die sonst allabendlich auf hastig ausgebreiteten Decken im Stadtzentrum angeboten werden. Um 14 Uhr ist das Spektakel vorbei und es bietet sich eine pizza a taglio, also auf die Hand, in den Gassen von Trastevere an. Blick auf den Tiber, Patriziervillen, Frühling in der Luft, kurz: das perfekte Glück.

Landpartie zu Schlössern, Villen und ans Meer

Und weil es schon fast Sommer ist, planen wir noch eine kleine Landpartie ein. Die antike Via Flaminia hoch in Richtung Norden machen wir ein kleines Picknick im Garten des Castello della Castelluccia. Das Schloss wurde behutsam in ein exklusives Hotel umgebaut, das sich durch seine Individualität und die Parklage besonders für Hochzeiten und anderen Familienfeiern anbietet. Der umbrische Koch zaubert leckere italienische Gerichte auf den Teller, so dass sich auch ein Ausflug nur zum Essen lohnt.

Nach einem kurzen Abstecher an den Lago di Bolsena steuern wir direkt die Küste und das Hotel La Posta Vecchia an. Der Name lässt kaum erahnen, was für ein Juwel sich dahinter verbirgt: Der ehemalige Wohnsitz von Jean Paul Getty ist komplett mit Antiquitäten aus dem 17. Jahrhundert ausgestattet und verfügt über nur 19 individuell ausgestattete Zimmer und Suiten. Heller Stein und hohe Decken geben dem imposanten Gebäude einen luftigen Charme, und durch die vielen großen Fenster sieht man entweder das Mittelmeer oder einen perfekt angelegten italienischen Garten. Innerhalb von Sekunden ist die Außenwelt vergessen und alles scheint in diesem exquisiten Traum von Farben und Licht zu verschwimmen. Ein Besuch im Restaurant Il Cesare ist mehr als lohnend: der kürzlich vom Guide Michelin besternte Küchenchef Michele Goia überrascht mit Artischocken-Panna Cotta und unbekannten Aromen aus dem hoteleigenen Kräutergarten. Wer mit diesen Köstlichkeiten die Freunde zu Hause beeindrucken möchte, kann bei Maître Goia sogar Kochkurse buchen – das ultimative Luxusgeschenk für alle Kochenthusiasten.

Die Terasse des Posta Vecchia

Wir müssen schon früh wieder zum Flughafen und haben kaum noch Zeit, das Frühstück mit Tomatenmarmelade, hausgebackenen Croissants und eigenen Wurstspezialitäten zu genießen. Ein letzter melancholischer Blick auf die ferne Silhouette der Stadt – Arrivederci Roma!

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1 Kommentar »

  1. Schöner Artikel über die Stadt - ich war früher als Au pair da und haben viele der Locations kennen gelernt. Danke auch für den Tip mit http://www.escapio.com, eine wirklich tolle Auswahl schöner Hotels!

    Kommentar von sophie — 16. Juni 2008 @ 21:19

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