Bevölkerung - Religion
Italien ist ein katholisches Land. Nicht nur der Vatikanstaat im Herzen Roms und eine lange Geschichte des Papststaates auf italienischem
Gebiet zeugen davon, ohne den Katholizismus ist Italien kaum vorstellbar. Die Religion war Voraussetzung für viele (und nicht nur Kirchen-)
Bauten, für die Entwicklung in bildender und darstellender Kunst sowie der Musik, aber auch die Verwaltung war und ist von einem
katholischen Grundverständnis geprägt.
Über 80 Prozent der heutigen Bevölkerung Italiens ist katholisch. Hinzu kommen etwa 15 Prozent konfessionslose Personen.
Besonders Einwanderergruppen (beispielsweise muslimische Albaner) verschieben lokal das Bild ein wenig. In den Großstädten des
Nordens, in Rom und Italien findet sich noch eine jüdische Bevölkerungsgruppe.
Einen Sonderfall bilden die protestantischen Waldenser, von denen über die Hälfte der weltweit 48.000 Mitglieder verstreut über
ganz Italien lebt (Schwerpunkt westlich Turins).
Italien ist in 17 Kirchenregionen und 42 Kirchenprovinzen mit einem apostolischen Stuhl, einem Patriarchalsitz und 40 Erzdiözesen
mit Metropolitansitz aufgegliedert.
Das Verhältnis von Kirche, Staat und Nation in Italien ist spätestens seit der im Risorgimento entstandenen Konkurrenz von Kirche
und Staat problematisch, so wird die Kirche als einer der wichtigsten Gründe für das bis heute schwach ausgebildete Staatsbewusstsein
verstanden, das jedoch nicht mit Nationalstolz verwechselt werden darf!
Ursprung dieses Problems war die erst heftige Ablehnung des italienischen Nationalstaats durch die katholische Kirche. Seit dem 20.
Jahrhundert ist diese Problematik weit weniger wichtig, Relikte finden sich jedoch noch immer. Eine spezielle Ausprägung fand diese
spannungsgeladene Situation während des Faschismus, der der katholischen Kirche eine säkularisierte "faschistische Religion"
gegenüberstellte und später die faschistische Politik selbst sakralisierte.